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	<title>Artition - social network of arts &#187; Geld</title>
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		<title>(Deutsch) MALER-GENIE Neo Rauch verdient Geld mit realem Sozialismus</title>
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		<pubDate>Thu, 06 May 2010 15:14:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist die große Siegerehrung: Zu seinem 50. Geburtstag würdigen Ausstellungen in Leipzig und München das Gesamtwerk des Malers Neo Rauch. Für seine Bilder werden inzwischen Millionen gezahlt. Was manchen immer noch verwundern mag, schließlich bedient sich Rauch einer gewisse Sozialismus-Ästhetik. Vielleicht sollte man einmal die Frage stellen, wo Neo Rauchs Bilder eigentlich herkommen? Es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" title="Neo Rauch" src="http://www.welt.de/multimedia/archive/1271244424000/01069/neorauch_vor_bild__1069625g.jpg" alt="" width="480" height="320" /></p>
<p><strong>Es ist die große Siegerehrung: Zu seinem 50. Geburtstag würdigen Ausstellungen in Leipzig und München das Gesamtwerk des Malers Neo Rauch. Für seine Bilder werden inzwischen Millionen gezahlt. Was manchen immer noch verwundern mag, schließlich bedient sich Rauch einer gewisse Sozialismus-Ästhetik</strong>.</p>
<p>Vielleicht sollte man einmal die Frage stellen, wo Neo Rauchs Bilder eigentlich herkommen? Es ist nämlich nicht so, dass die Leinwände in Depots in Leipzig eingelagert wären. Rauchs Bilder findet man in Miami, Los Angeles – und sogar auf Hawaii.</p>
<p>Man weiß nicht, was Sammler in solch sonnenverwöhnten Badeparadiesen an Rauchs verschatteten ostdeutschen Landschaften interessiert. Offensichtlich ist jedoch, dass der Aufstieg des Leipzigers zum „Malerstar“ kein ausschließlich einheimisches Phänomen ist.</p>
<p>Rauch hat seit knapp zehn Jahren die Unterstützung einflussreicher amerikanischer Sammler, er ist dort als einer der wenigen deutschen Maler seiner Generation durchgesetzt und auch wenn seit jüngster Zeit ehemals wohlwollende US-Kritiker wie Jerry Saltz vom „New York Magazine“ leise Zweifel an der dauerhaften Wirkung seiner Kunst anmelden, ist ihm zumindest eine Zeit lang der sichere Sitz im Kunstkanon garantiert.</p>
<p>Jetzt wird Neo Rauch 50 Jahre alt. Und feiert mit seinen Bildern: Der erste Teil seiner Doppelretrospektive eröffnet an seinem Geburtstag im Museum der bildenden Künste in Leipzig, Teil zwei dann am Montagabend in der Pinakothek der Moderne in München.</p>
<p>120 Werke werden gezeigt – eine Art große Siegerehrung. Ganz leicht kann es für die Kuratoren nicht gewesen sein. Das Œuvre lässt sich zwar ohne größeres Blutvergießen zwischen zwei Museen aufteilen, das zeigt aber auch schon, dass es für eine Rauch-Retrospektive keine einfache Blaupause gibt. Jedes Bild kann, keines muss dabei sein. Rauch hat keine „Demoiselles d’Avignon“ wie Picasso, keinen Stammheim-Zyklus wie Richter.</p>

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<a href='http://www.artition.com/news/2010/05/06/deutsch-maler-genie-neo-rauch-verdient-geld-mit-realem-sozialismus/neorauch_saal_dw_k_1069626g/' title='&quot;Das Neue&quot; (links) und &quot;Fluchtversuch&quot;: Rauch ist einer der bedeutendsten Vertreter der &quot;Neuen Leipziger Schule&quot;.'><img width="150" height="150" src="http://www.artition.com/news/wp-content/uploads/2010/05/neorauch_saal_DW_K_1069626g-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="&quot;Das Neue&quot; (links) und &quot;Fluchtversuch&quot;: Rauch ist einer der bedeutendsten Vertreter der &quot;Neuen Leipziger Schule&quot;." title="&quot;Das Neue&quot; (links) und &quot;Fluchtversuch&quot;: Rauch ist einer der bedeutendsten Vertreter der &quot;Neuen Leipziger Schule&quot;." /></a>
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<a href='http://www.artition.com/news/2010/05/06/deutsch-maler-genie-neo-rauch-verdient-geld-mit-realem-sozialismus/neorauch_der_vater_1069622g/' title='Ölgemälde &quot;Vater&quot; (2007): Rauch wurde 1960 in Leipzig geboren. Er wuchs als Waise bei den Großeltern in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) auf. Seine Eltern starben kurz nach seiner Geburt bei einem Zugunglück.'><img width="150" height="150" src="http://www.artition.com/news/wp-content/uploads/2010/05/neorauch_der_vater_1069622g-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Ölgemälde &quot;Vater&quot; (2007): Rauch wurde 1960 in Leipzig geboren. Er wuchs als Waise bei den Großeltern in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) auf. Seine Eltern starben kurz nach seiner Geburt bei einem Zugunglück." title="Ölgemälde &quot;Vater&quot; (2007): Rauch wurde 1960 in Leipzig geboren. Er wuchs als Waise bei den Großeltern in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) auf. Seine Eltern starben kurz nach seiner Geburt bei einem Zugunglück." /></a>

<p>Er selbst könne auch nicht das eine entscheidende Bild in seinem Gesamtwerk identifizieren, sagt der Künstler, der stets auf hohem, aber gleichmäßigem Niveau gemalt hat. Und so wird der Besuch der Doppelretrospektive weniger ein schnelles Abschreiten der Highlights und eher ein langsames Abgleiten in das Universum des Künstlers, in dem verschiedene Figuren und Themen unablässig durch die Bilder kreiseln, die Werke miteinander reden und allmählich gemeinsame Erzählungen anstimmen, von Erschöpfungszuständen, gesellschaftlichem Auseinanderdriften, den magischen Kräften der Natur, jähen Gewaltausbrüchen, den Schwierigkeiten der Malerei und auch immer wieder von der Gemeinheit der Kunstkritiker.</p>
<p>Ein wenig ähnelt eine Ausstellung von Neo Rauch einem aufgeschlagenen Bilderbuch. Man kann sich leicht an den Szenen festlesen, jede einzelne seiner rätselhaften Kompositionen mit ihrer Vielzahl von Referenzen kann unendlich lange ausinterpretiert werden und ist am Ende doch nicht erklärbar. Gut möglich, dass es irgendwann bei Kunsthistorikern das eigene Fachgebiet der Rauch-Exegese gibt.</p>
<p>Die zwei Teile der Retrospektive versuchen auf unterschiedlichen Pfaden an das Rauchsche Werk heranzuführen. In München gruppiert Kurator Bernhart Schwenk die Gemälde nach formalen Ähnlichkeiten. Am Beginn stehen drei Bilder, die vorwiegend mit tonalen Abstufungen einer einzigen Farbe gemalt wurden: „Das Blaue“ von 2006 sowie zwei neue Werke, die erst in diesem Jahr fertiggestellt wurden: das rote „Übertage“ und das gelbe „Kalimuna“. Letzteres zeigt Menschen auf einer Straße vor zwei Ladengeschäften, in denen Kalisalz und Munition angeboten werden. Im Hintergrund ist ein Bergwerk zu sehen.</p>
<p>Wie so oft hat das Bild auch mit Rauchs Biografie zu tun: Seine Großmutter, bei der er aufwuchs, arbeitete im Krieg in einer Munitionsfabrik. Gleichzeitig demonstriert das Werk den eigentümlichen trockenen Humor, den der Leipziger in seinen Arbeiten gelegentlich durchschimmern lässt. In dieser doch eher altertümlich wirkenden Szene wird auf einem Verkauftresen neben Patronen und Salzkristallen auch ein Gegenstand angeboten, der entfernt an ein Handy oder ein iBook erinnert.</p>
<p>Nach dem „bunten Rauch“ im ersten Raum kann man in München noch der „braunen Rauch“ sehen, in dessen Bildern dunkle Töne dominieren und sich abstrakte Farbschlieren in die figurativen Szenen hineinfeuchten wie Stocknässe. Das sind vermutlich die typischsten Rauch-Bilder, fast schon Klischees ihrer selbst.</p>
<p>Weitere Räume demonstrieren, wie Rauch seit den 90er Jahren die Entwicklung der Malereigeschichte noch einmal in umgekehrter Reihenfolge vollzogen hat. Am Anfang seiner Karriere stehen flächige Bildträger mit stark grafischen Kompositionen und Protagonisten, die durch ihre Anleihen bei Comics und sozialistischen Werbeplakaten auch immer ein wenig an verblichene Pappfiguren erinnern.</p>
<p>Kurz nach dem Jahr 2000 entdeckt der Künstler dann die Raumtiefe und konstruiert seither verschachtelte, fast schon altmeisterlich gemalte Bühnenräume, auf denen sehr lebendig wirkendes Darstellerpersonal absonderliche Stücke aufführt.</p>
<p><strong>THEMATISCHE ASSOZIATIONEN ZWISCHEN DEN BILDERN</strong></p>
<p>Während man in München die Werke aus einem kunstwissenschaftlicheren Blickwinkel zu betrachten scheint, setzt man in Leipzig deutlicher auf thematische Assoziationen zwischen den Bildern. Es gibt Bildgruppen zu Situationen mit Arbeitern und zwei Räume, in denen besonders fantastische Bilder hängen: alptraumhafte Szenerien, in denen monströse Schlangen unerwartet aus dem Schilfland auftauchen, Fliegen sich in Menschen verwandeln und dämonische Gestalten mit Widderköpfen aus Büchern predigen.</p>
<p>Dann stößt man überraschend auf zwei kleine Selbstporträts, die belegen, dass der ernste Maler auch einen Sinn für Humor hat. Einmal Rauch als Rockabilly mit umgeschnallter Gitarre und einmal Rauch, der nach lästigen Motten schlägt – so wie King-Kong auf der Spitze des Empire State Buildings nach den Flugzeugen.</p>
<p>Die beiden Ausstellungen zeigen schön, wie vielseitig Rauch in der Variation seiner Malerei ist. Andererseits verdrängt man durch den Verzicht auf eine chronologische Anordnung, dass der Maler kein wirkliches Frühwerk besitzt. Mit der Wende, da war er 29, warf Rauch sein malerisches Konzept vollständig um, verzichtete fortan auf alle subjektive Expressivität, die in der DDR noch als subversiv gelten konnte und wandte sich dem zu, was im Westen damals als Tabu galt: In der Malerei mit Figuren Geschichten zu erzählen.</p>
<p>Der zeitliche Zusammenklang hat nun dazu geführt, dass Rauchs neue Malerei so alt ist wie das wiedervereinte Deutschland. Mit 50 scheint Rauch nun in der Lage zu sein, jeden seiner Träume oder Alpträume auf die Leinwand bringen zu können. Da er spät zu seinem Stil gefunden hat, ist nicht mehr zu erwarten, dass er seine Malerei noch einmal grundlegend verändert. Er wird sie weiter verfeinern. Und wenn sich irgendwann wieder eine größere Bandbreite an Emotionen in die Bilder schleicht und den allgegenwärtigen Nebel der Melancholie vertreibt, dann werden seine Bilder nicht nur beeindruckend und bedrückend sein, sondern auch mitreißend.</p>
<p>VON TIM ACKERMANN</p>
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